ART and the MIND – Ernst H. GOMBRICH
Mit dem Steckenpferd unterwegs

Mit dem Buchprojekt „ART and the MIND – Ernst H. GOMBRICH. Mit dem Steckenpferd unterwegs“ gelang es der Herausgeberin und Autorin Sybille Moser-Ernst, ein Team von international höchst renommierten Wissenschaftlern dafür zu gewinnen, über - von der Projektleiterin herausgearbeitete - theoriebildende Leistungen Ernst H. Gombrichs im Licht der aktuellen Debatte um BILD und BILDLICHKEIT ins Gespräch zu kommen. Ihr Ziel ist, die Aufmerksamkeit einer jungen Wissenschafts-Generation für das intellektuelle Erbe dieses weltweit bekannten Gelehrten Wiener Provenienz zu gewinnen. Ernst H. Gombrich (1909 – 2001) kam aus dem Wiener Bildungsbürgertum mit jüdischen Wurzeln, die zum Protestantismus konvertierte Familie war mit den bekanntesten Komponisten und Schriftstellern ihrer Zeit eng befreundet. Dem besorgten Rat Ernst Kris’ folgend, verließ der jungverheiratete Ernst H. Gombrich 1936 rechtzeitig Wien, und begann in London ein neues Leben.

Das Lebenswerk Ernst H. Gombrichs, sein äußerst umfangreicher wissenschaftlicher Nachlass, als „Gombrich-Estate“ dem Warburg Institute Archive (University of London) einverleibt, sowie das Archiv des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien, bildeten die Ausgangspunkte und eröffneten die Quellen, aus denen die verschiedenen Autoren schöpften. Die Methoden reichten vom Rekonstruieren von Ereigniskontexten und dem Darstellen der für die Persönlichkeiten daraus gewonnenen Einsichten (Yiqiang Cao, F. Quiviger, Partha Mitter), der intensiven Disputatio eines David Freedberg (Columbia NYC) oder eines Werner Hofmann, zur kulturwissenschaftlichen Diskussion (Hans Belting); von historisch-kritischer Distanz (Georg Vasold) zu analytischer Engführung (Nadia J. Koch), von mikrobiographischer Rekonstruktion (Ursula Marinelli) zur Erinnerung an Grenzen und Absonderlichkeiten des Individuums (Veronika Korbei) bis hin zur Konfrontation der Konzepte Gombrichs mit den aktuellen naturwissenschaftlichen Ansätzen der Neurowissenschaften und Sehforschung (John Onians, Julian Bell und Robert Kudielka).

Philosophiegeschichtliche Parallelen stellte Josef F. Rothhaupt her, David Carrier wagte sich an Fragen der ästhetischen Norm im Kulturvergleich. Durch ihre jeweilige Intervention mittels hinführender einleitender bzw. überleitender Texte brachte Moser-Ernst die unterschiedlichen Perspektiven miteinander in eine Engführung, stellte Redundanzen her und gab damit der Sammlung der diversen Beiträge ein zusammenhängendes, „faltenreiches“ Gesicht. Das Interview der Autorin Moser-Ernst mit dem Zeitzeugen Willibald Sauerländer wurde über die bewährte Form des Dialogs zum Forum für die heikelsten Fragen um Gombrichs Möglichkeiten und Vorurteile.

Dass die englische und deutsche Sprache im Band wechseln, soll der besonderen „Sprachlichkeit“ Ernst H. Gombrichs nachspüren; er verfasste ab einem gewissen Zeitpunkt seine kunsthistorischen Publikationen in Englisch und führte den privaten Briefverkehr mit seinen Wiener Freunden (z.B. Karl Popper) in englischer Sprache. Wenn wir von der Besonderheit des literarischen Vermächtnisses Gombrichs sprechen, meinen wir aber eine ganz eigene „Sprachlichkeit“, die Sybille Moser-Ernst in ihrem einführenden Text „Why read Gombrich NOW?“ eindrücklich erläutert und für ein wissenschaftliches Denken – anders als das informative digitale Informationswissen – wiedereinführt.

Ein besonderes Augenmerk wurde dem Frühwerk Gombrichs gewidmet, das die besondere Atmosphäre Wiens der 1920er und 30er Jahre spiegelt, die ihn nachhaltig beeinflusst hat. Die besondere „Wiener Stimme“ ist der Pianist und Schriftsteller Alfred Brendel.










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