Projektinformation P19-3804


Flucht, Gefangenschaft, Neubeginn und Widerstand - Die Orthodoxen in Österreich - Projektteil "Auf der Flucht in der Monarchie - das Schicksal der orthodoxen Flüchtlinge im Lager Oberhollabrunn (1914


Flight, Captivity, New Beginning and Resistance - The Orthodox in Austria between the Habsburg Monarchy, the First Republic and National Socialism (1914-1945)


Der Fokus des Projektes richtet sich auf das schwere Los der Zivilbevölkerung im Ersten Weltkrieg (1914-1918) und hier im Besonderen auf die östliche Front Österreich-Ungarns in diesem weltumspannenden Konflikt. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 28. Juli 1914 gelang es der Armee des Zarenreiches Russland zunächst, in der Bukowina und in Ostgalizien tief auf das Staatsgebiet Österreich-Ungarns einzudringen. Dies hatte zur Folge, dass die dortige (zu einem beträchtlichen Teil orthodoxe) Bevölkerung floh / fliehen musste und in der Folge in andere Teile der Monarchie evakuiert werden musste. Im Februar 1915 befand sich rund eine halbe Million Kriegsflüchtlinge aus Galizien in verschiedenen Teilen der Monarchie, davon rund 25.000 in Niederösterreich. Die große Anzahl von Flüchtlingen auf dem Gebiet von Oberhollabrunn führte schließlich zur Überlegung, ebendort ein eigenes Flüchtlingslager zu errichten. Einer der führenden Initiatoren dieser Idee war der damalige Bürgermeister von Oberhollabrunn, Dr. Rudolf Kolisko (1859-1942, Bürgermeister 1908-1919). Das Lager Oberhollabrunn war für 5.000 Flüchtlinge konzipiert. Aufgelassen wurde das Flüchtlingslager Oberhollabrunn, das zur Zeit der stärksten Belegung über 4.000 Flüchtlinge beherbergte, schließlich Ende April 1918. Das Forschungsprojekt basiert auf unveröffentlichten Beständen des Archivs der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde zur Heiligen Dreifaltigkeit in der Metropolis von Austria (Fleischmarkt 13, 1010 Wien), die gleichzeitig Trägerin des Projekts ist. Es wurden zwei Gruppen von Archivalien identifiziert, auf denen unser sozialgeschichtlicher Forschungsansatz fußt. Der erste, kleinere Bestand sind Ehe-, Tauf- und Sterbematriken der orthodoxen Flüchtlinge aus Oberhollabrunn. Eine ungleich größere Gruppe bilden 343 Totenbeschaubefunde zu den orthodoxen Flüchtlingen. Die obenerwähnten Archivalien werden aufgearbeitet, erschlossen und in eine Datenbank eingegeben. All diese Daten werden danach im digitalen Geoportal der Geschichte der Orthodoxen in Österreich frei zugänglich und abrufbar sein. Dadurch ist es ermöglicht, den Lebensweg der orthodoxen Flüchtlinge zu rekonstruieren und mit digitalen kartographischen Mitteln ein Bild ihrer Flucht aus ihren jeweiligen Lebenswelten in eine neue, unbekannte Umgebung nachzuzeichnen. https://orthodoxes-europa.at/
Projektverantwortliche
Popovic Mihailo Priv.-Doz. Mag. Dr. - Metropolis von Austria
Projektzeitraum
2020-07-01 bis 2021-08-01
Kategorie
Forschung
Region
Österreich
Status
genehmigt