Abstract


KZ-GEDENKSTÄTTE MAUTHAUSEN: INSTITUTIONELLE ENTWICKLUNG UND PROJEKTE DER NEUGESTALTUNG


1949 wurde die Gedenkstätte Mauthausen eröffnet und mit der Gestaltung des internationalen Denkmalsparks begonnen. Mit der ersten Dauerausstellung von 1970 unter maßgeblicher Beteiligung des ehemaligen Häftlings Hans Maršálek gewann die historische Vermittlung zunehmend an Bedeutung. Eine grundlegende Reformphase begann 2003: In Mauthausen und Gusen entstanden neue Ausstellungs- und Vermittlungsangebote, darunter 2004/05 das Besucherzentrum Gusen. Ab 2007 wurde die Gedenkstättenpädagogik systematisch aufgebaut. Die Neugestaltung Mauthausens 2013 mit neuen Dauerausstellungen und dem „Raum der Namen“ setzte diese Entwicklung fort.

Parallel erweiterte sich der Zuständigkeitsbereich: 1962 kam die Gedenkstätte Melk hinzu, 1997 das Memorial Gusen, später folgten unter anderem Loibl-Nord und Ebensee. Mit dem Gedenkstättengesetz und der Errichtung der Bundesanstalt KZ-Gedenkstätte Mauthausen erfolgte 2017 die institutionelle Ausgliederung. 2018 wurde der Wiener Standort in der Argentinierstraße eröffnet.

Heute stehen die Weiterentwicklung der einzelnen Gedenkorte und die stärkere Sichtbarmachung des gesamten ehemaligen KZ-Systems, beispielsweise durch das Projekt der Außenlager-Stele, im Mittelpunkt. Mit der Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen wird das größte Gedenkprojekt Österreichs umgesetzt. Auf Grundlage eines breit angelegten Beteiligungsprozesses entsteht ein neuer Erinnerungsort, der historische Spuren und archäologische Relikte erstmals beforschen und mit neuen Ausstellungs- und Vermittlungsangeboten verbinden soll. In Melk wird das ehemalige Häftlingsgebäude Objekt 10 saniert und soll ab 2027 zugänglich sein. Am Ort des ehemaligen KZ Loibl entsteht ein neuer Museumspavillon in Kooperation mit regionalen Partnerinstitutionen. In Mauthausen werden unter anderem eine neue Ausstellung zu Täter*innenschaft und die Kontextualisierung der Aschenhalde vorbereitet. Die Wechselausstellung „Dinge erzählen. Archäologie des KZ-Systems Mauthausen-Gusen“ zeigt 2026 die Bedeutung archäologischer Forschung für die Auseinandersetzung mit der Geschichte des KZ-Systems.

Zu den Aufgaben der Gedenkstätte gehört auch das Eintreten für den Erhalt gefährdeter historischer Orte. Am ehemaligen KZ-Areal Hirtenberg schreitet die Verbauung der letzten Überreste voran. Hiergegen erhob die KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit Partnerorganisationen wiederholt Einspruch, was zu einem internationalen Medienecho führte.

Die Entwicklung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen zeigt damit den Wandel von der Bewahrung eines einzelnen Erinnerungsortes hin zu einer umfassenden Auseinandersetzung mit dem KZ-System Mauthausen-Gusen mit Fokus auf der Vermittlungsarbeit. Der Begriff der Neugestaltung umfasst dabei sowohl die Weiterentwicklung bestehender Gedenkstätten als auch die Bewahrung und Kontextualisierung historischer Spuren.

BARBARA GLÜCK

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