Die neue Montafoner Theaterwanderung. Grenzerfahrungen am Zauberberg - Überschreitungen und Ahnungen
The new Montafoner theatre-hike. Borderline experiences at the Magic Mountain - Exceedances and premonitions
Nach 12 Saisonen (91 Vorstellungen und ca. 4.000 Besuchenden) mit der erfolgreichen und preisgekrönten Theaterwanderung AUF DER FLUCHT beschlossen wir gemeinsam mit der Hotellerie Gargellens und Montafon Tourismus, eine ebenso spannende aber körperlich weniger anstrengende neue Theaterwanderung zu kreieren, die wiederum lokale (Zeit)Geschichte, globale Entwicklungen und immersives Theater verschränkt. Das Spektrum der Besuchenden (und Passanten) dieses Luftkur- und Grenzorts von der Eröffnung des ersten (Kur)Hotels 1885 bis zum gewaltsamen Ende der Ersten Republik 1938 bietet den Stoff für Szenen, die die Vorgeschichte des „Anschlusses“ und Zweiten Weltkriegs (Themata von „Auf der Flucht“) erzählen: Arthur Schnitzler und der nationalsozialistische Alpinschriftsteller Walther Flaig, die Ottakringer Brauereibesitzer Elsa und Moritz Kuffner und die Historikerin Lucie Varga, sowie von der Gendarmarie verhaftete Flüchtlinge während des ersten Weltkrieges, des Spanischen Bürgerkriegs oder der NS-Diktatur - um nur einige zu nennen. Juden und Nichtjuden, Nazis und bekennende Österreicher. Bezugnehmend auf den langjährigen Werbeslogan Gargellens „das Österreichische Davos“ greifen wir zur Schilderung der Brutalität des Ersten Weltkrieges, des bewussten Opferns von (jungen) Menschen, zum Schlusskapitel „Donnerschlag“ aus Thomas Manns „Der Zauberberg“ (der in Davos spielt). Ein weiterer Aspekt ist die Thematisierung der Überschreitung physischer und psychischer Grenzen im Gebirge, zählten doch gerade auch jüdische Bergsteigerinnen und Bergsteiger zu den Pionieren des Alpinismus - und bereits frühzeitig mit Arierparagraphen aus den alpinen Vereinen ausgeschlossen. Basierend auf den Analysen von Lucie Varga zeigen wir auch, wie der Nationalsozialismus im ländlichen Raum als Bewegung der Moderne gegen den verkrusteten Katholizismus punkten konnte. Ein Ziel unserer Neuproduktion ist natürlich das Aufzeigen des Antisemitismus und der NS-Propaganda mit ihrem Versprechen der Erlösung und des Systemwechsels als Warnung vor den aktuellen rechtspopulistischen Tendenzen in Österreich und Europa.
www.teatro-caprile.at