»ERGÄNZUNGEN UND EINGRIFFE. ZUR GESCHICHTE DER AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE WIEN 1930–1960« von Eduard Freudmann, Jakob Krameritsch, Michael Lunardi, Ruth Sonderegger (Publikation im Mandelbaum Verla
»ADDITIONS AND INTERVENTIONS. ON THE HISTORY OF THE ACADEMY OF FINE ARTS VIENNA 1930-1960« (publication)
Die erste relevante Forschung zur Geschichte der Akademie im Austrofaschismus und NS wurde von Studierenden Ende der 1980er Jahre initiiert. In Auseinandersetzung mit der „Waldheimaffäre“ gründete sich eine studentische Arbeitsgruppe, die sich für eine Aufarbeitung der Positionierung der Akademie in den 1930er- und 1940er-Jahren einsetzte. Der dabei entstandene Sammelband, ist zwar bis heute wichtige Referenz weiterer Forschung, geriet allerdings bald in (institutionelle) Vergessenheit; die Publikation ist heute vergriffen. Eine Gruppe von Studierenden und Lehrenden der Akademie rund um Eduard Freudmann, Jakob Krameritsch und Ruth Sonderegger versuchte daran anzuknüpfen und startete vor drei Jahren eine Initiative, die den Status quo der geschichtspolitischen Aufarbeitung an der Akademie kartierte. Die auf einem Chart zusammengeführten Auseinandersetzungen mit der Hausgeschichte zeigen die Fülle der Themen und Positionierungen auf; sie machen gleichzeitig klar, dass viele der aufgenommenen Fäden aufgrund fehlender Ressourcen und des schnellen Semestertakts des Unterrichts fallen gelassen werden mussten. Beispiel dafür ist die Studie von Verena Pawlowsky, deren Auftrag es war „Geschädigte“ und „Involvierte“ unter den Studierenden, Lehrenden und Angehörigen des Verwaltungspersonal der Akademie in den Jahren 1938-1945 zu identifizieren und in Kurzbiographien zu erfassen. Bei der o.g. Konferenz machte Pawlowsky auch klar, dass die beauftragte Fokussierung auf Einzelpersonen den Blick auf inneruniversitäre studentische und/oder professorale Netzwerke wie auch über die Akademie hinausgreifende NS-Klientelsysteme unmöglich machte. Die zeitliche Begrenzung der Forschungszeitraume auf 1938-1945 ließ auch die Beschäftigung mit Vorfeldorganisationen des NS wie auch Kontinuitäten und Brüche nach 1945 an der Akademie nicht zu. Der Sammelband möchte nun vor allem zweierlei: Forschungsdesiderate schließen und die bisherigen Initiative und Projekte, die sich mit der Geschichte der Akademie auseinandergesetzt haben, zusammenführen und würdigen. Michael Lunardi ist ein Co-Herausgeber, seine Beiträge untersuchen personelle Netzwerke und institutionelle Weichenstellungen sowie deren Auswirkungen auf Kulturpolitik und Ästhetik. Biografische Skizzen von Entscheidungsträger*innen, aber auch verfolgten Akademiemitgliedern, zeigen auf, welche unterschiedliche Handlungsspielräume Menschen an der Akademie hatten. Ergänzt werden die Textbeiträge um rezente künstlerische Arbeiten, die sich kritisch mit der Gewaltgeschichte der Institution auseinandersetzen.
www.mandelbaum.at
Ergänzungen und Eingriffe
Zur Geschichte der Akademie der bildenden Künste 1930 - 1960
Eduard Freudmann, Jakob Krameritsch, Michael Lunardi, Ruth Sonderegger (Hg.)