Projektinformation P25-5845


Sie alle sind schon tot, aber ich bin noch am Leben (Publikation von Marta Pelinka-Marková im LIT Verlag)


They are all dead, but I am still alive (publication)


Dieses Buch will den Mythos von der freien, mustergültig demokratischen Tschechoslowakischen Republik, die Schwarz-Weiß-Malerei und deren politische und sprachliche Nationalismen aufbrechen. Die Masaryks-Idee eines multikulturellen Staates, eines besseren als die habsburgische k.u.k. Monarchie, in dem all seine Minderheiten (Deutsch und Tschechisch sprechende Juden, Deutsche, Karpatoukrainer, Kroaten, Ladiner, Ruthener, Rusiner, Ungarn) ihre Vertretung im Parlament und in der Regierung haben – dieses Bestreben wurde von Masaryks, Edward Beneš, zerstört. Er ebnete der Weg zu einem politischen Nationalismus und forcierte die Vertreibung der Deutsch Sprechenden. Die Beneš-Dekrete waren und sind ein Teil der ethnischen Säuberung in Europa. „Umvolkung“ bezieht sich auf die Vertreibung von Juden und Tschechen 1938 aus dem „Sudetengau“, auch auf die Vertreibung der Deutsch und Ungarisch sprechenden Juden ab 1945 aus der gesamten Republik. Die Beneš-Politik wollte einen tschechoslowakischen Nationalstaat schaffen – in eklatantem Widerspruch zu Masaryks Idee eines multikulturellen vielsprachigen Staates. Die Biografien der im Holocaust ermordeten jüdischen Familien Schostal, Mowschenson, Teltsch, Pick und Pentlička spiegeln die „Umvolkung“ wider, das tragische Schicksal der jüdischen tschechoslowakischen Staatsbürger. Viele tschechische Staatsbürger wurden im „Protektorat Böhmen und Mähren“ Mittäter des NS-Regimes. Die Rolle des Beamtenapparates, welcher mit dem NS-Regime kollaborierte, des Polizeiapparates und der tschechischen Gendarmen, die sich genauso am Holocaust beteiligten wie ihre slowakischen Kollegen, die schmutzige Arbeit für die „Deutschen“ erledigten, wurde selten thematisiert. In der Nachkriegszeit differenzierte die kommunistische Regierung nicht bei „den Deutschen“ zwischen den Holocaust-Überlebenden, den Deutsch sprechenden Juden und Nichtjuden. Die Nachkriegs-KPČ wie auch ihre nachkommenden Generationen der Kinder aus kommunistischen Familien verharmlosten das historische Geschehen im „Protektorat Böhmen und Mähren“ aus eigenem Interesse, sie manipulieren die Wahrnehmung ebenjenes bis heute. Die individuelle Überlebensstrategie aus der Zeit des totalitären NS-Regimes ging nahtlos in eine analoge Strategie im totalitären KP-Regime über – und dann, nach 1968, in Gustáv Husáks „Normalisierungszeit“.




Projektverantwortliche
Pelinka-Marková Marta Dr.
Projektzeitraum
2025-01-01 bis 2025-12-31
Kategorie
Publikation
Region
Österreich, Tschechische Republik, Slowakei
Status
genehmigt