„DACHAUREIF“ - DER ÖSTERREICHERTRANSPORT AUS WIEN IN DAS KZ DACHAU AM 1. APRIL 1938
BIOGRAFISCHE SKIZZEN DER OPFER

Am Morgen des 12.3.1938 überschritten die ersten Wehrmachtsverbände die österreichische Grenze. Bereits einige Stunden zuvor waren – nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am Vorabend – deutsche Polizeikräfte unter der Führung von Reichsführer SS Himmler in Wien gelandet. Zu deren ersten Aufgaben gehörte die Verhaftung von – ausschließlich männlichen – NS-Gegnern: Minister und hohe Beamte der Regierung Schuschnigg, der Bürgermeister von Wien, hohe Polizeibeamte sowie Angehörige der illegalen ArbeiterInnenbewegung (Sozialdemokraten und Kommunisten, Gewerkschafter), Geschäftsleute und Künstler. Bis Monatsende wurde eine Liste von 150 Personen zusammengestellt, diese im Polizeigefangenhaus Rossauerlände konzentriert und am Abend des 1.4. vom Wiener Westbahnhof in das KZ Dachau abtransportiert, das sich – am 22. März 1933 eingerichtet – zum Prototyp des nationalsozialistischen Repressionsapparates entwickelt hatte. In dem, später so bezeichneten, „Prominententransport“ spiegelte sich nicht nur das gesamte politische Spektrum des damaligen Österreich wider, sondern es befanden sich auch viele Menschen darunter, deren einziges „Verbrechen“ darin bestand Jude zu sein.

In einer von der Arbeitsgemeinschaft der NS-Opfer-Verbände und WiderstandskämpferInnen im Jahre 2008 herausgegebenen Broschüre von Wolfgang Neugebauer und Peter Schwarz wurde der erste Österreichertransport nach Dachau historisch kontextualisiert. In weiterer Folge recherchierte das DÖW zu den Häftlingen biografische Eckdaten und veröffentlichte diese auf seiner Website. Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft erstellten Claudia Kuretsidis-Haider und Rudolf Leo darauf aufbauend Biogramme aller Häftlinge dieses ersten Massentransportes von Österreichern in ein Konzentrationslager. Mit Focus auch auf die Zeit vor 1938 und nach 1945 werden die Lebensgeschichten der Betroffenen anschaulich dargestellt und die Bandbreite ihres weltanschaulichen Hintergrundes sichtbar gemacht. Zu vielen Personen konnten Bilder ausfindig gemacht, ihnen somit ein „Gesicht“ gegeben werden. Dazu kommen Zitate aus der zahlreich erschienenen Erinnerungsliteratur, um die Perspektive der Betroffenen aus eigener Darstellung näherzubringen.

Das Projekt und die Publikation wurden vom Zukunftsfonds der Republik Österreich, vom Nationalfonds der Republik Österreich, vom Referat Wissenschafts- und Forschungsförderung der Kulturabteilung (MA 7) in Wien, vom Amt der NÖ Landesregierung / Abteilung Wissenschaft und Forschung, vom Land Salzburg / Referat Wissenschaft, Erwachsenenbildung, Bildungsförderung sowie von der Zentralen österreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes sowie von der Arbeitsgemeinschaft der NS-Opfer-Verbände und WiderstandskämpferInnen finanziert.












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