Der Maler Robert Lettner - Sagen, was ich denke – handeln, wie ich fühle

Robert Lettner, 1943 geboren, war eines der jüngsten Opfer des Nationalsozialismus. Er wuchs in seinen ersten zwei Lebensjahren im südfranzösischen Deportationslager Gurs auf. Seine aus Köln stammende Mutter war wegen ihrer antifaschistischen Haltung dorthin verschleppt und inhaftiert worden. Sein Vater war Kämpfer für die demokratische Sache in Spanien und flüchtete nach verlorenem Bürgerkrieg über die Pyrenäen nach Frankreich. Auch er wurde in Gurs eingesperrt. Robert Lettner blieb zeit seines Lebens dem Vermächtnis seiner Eltern treu. Widerstand gegen jede Art von Unrecht war ihm ein hoher Wert, für den er jederzeit einzustehen bereit war.

Nach seiner Lithographen-Lehre und dem Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste stach Lettner durch sein eigenständiges, prägnantes künstlerisches Schaffen hervor. Er war ab 1970 Mitglied der Wiener Secession und wurde 1976 von Oswald Oberhuber an die Hochschule für Angewandte Kunst in Wien geholt, wo er von 1985 bis 2008 die Abteilung Grafik-Reproduktionstechnik leitete. Lettner war nicht nur bildender Künstler, sondern verstand sich auch als Forscher, als der er zur experimentellen Weiterentwicklung des Bildbegriffs arbeitete.

Als er im September 2012 verstarb, war sein Werk und sein politisches Leben nur unvollständig erfasst und drohte dem Vergessen anheim zu fallen. Eine Gruppe von Freunden und Verwandten gründete deshalb den „Verein zur Dokumentation und Vermittlung des künstlerischen und wissenschaftlichen Werkes von Robert Lettner“ und setzte sich die Aufgabe, in einer digitalen Datenbank alle Bilder, Zeichnungen, Texte und Ähnliches zu erfassen. Heute umfasst die inzwischen fertiggestellte Datei rund 1.500 Datensätze. Aus dem Material schuf der Kunsthistoriker Prof. Dr. Harald Kraemer eine Monografie, die alle Aspekte der Kunst und des politischen Lebens, hier auch jenes auf Hochschulboden umfasst und Basis für eine weitere Rezeption dieses bedeutenden Künstlers sein wird. Sie enthält Gespräche mit wichtigen Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen und zeigt Lettner als steten Kämpfer gegen Faschismus und Unrecht.

Die Internetseite robertlettner.info und eine Wikipedia-Seite ergänzen diese Aufarbeitung. Die Monografie ist im Jahr 2018 beim Ritter-Verlag erschienen und umfasst 287 Seiten.

Es mag ein Bild von Robert Lettner zeichnen, dass eine Gruppe von Menschen noch Jahre nach seinem zu frühen Tod mithalf, eine Dokumentation seines Lebens und Wirkens zu schaffen, die diesen großartigen Künstler gebührend zu würdigen hilft.


















info@zukunftsfonds-austria.at
(+43) 1 5136016–0
http://www.zukunftsfonds-austria.at
Bürozeiten: Mo bis Fr 9.00-17.30